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El Chorro – das Paradies für Kletterer

…zumindest war es das mal. Nachdem wir satt waren von den tausend Eindrücken der Stadt Granada war es für uns Zeit wieder in die Natur zu fliehen. Außerdem zieht die Stadt einem wie magisch auch das Geld aus den Taschen: Ein Eis hier, ein Eintritt dort und ach, man gönnt sich ja sonst nix: noch ein Bier da drüben.

Unser Ziel hieß El Chorro – ein Klettergebiet im Süden Spaniens von dem wir immer wieder mal gehört hatten. Wir übernachteten in der Finca La Campana , da in diesem Gebiet absolut nichts zum legal stehen mit dem Bus zu finden ist. Hier ist es echt gemütlich. Wir haben nen Pool mit Slackline, welche an dem gruselig knarzenden Fenstergitter befestigt ist. Das stört uns aber nicht weiter, weil man ja, falls das Gitter nachgibt, sanft im Wasser landet. Unsere mäßigen Slacklinefähigkeiten haben aber leider, oder auch zum Glück, dazu geführt, das wir ins Wasser gefallen sind bevor das Gitter nachgegeben hat.

Da wir noch die Topo für das Klettergebiet organisieren mussten, besuchten wir den ortsansässigen Kletterladen. Dieser gehört lustigerweise einem Exildeutschen. Er hat einen kleinen Container hoch oben in den Bergen, aus dem heraus er Kletterzubehör und Lebensweisheiten verkauft. Er scheint total unglücklich mit seinem Leben zu sein. Es werden immer weniger Kletterer sagt er. Nach dem der Camino (ein berühmter Wanderweg der hier verläuft) restauriert wurde gab es eine Reihe von Sperrungen für Klettersektoren. Die besten, wie er meint, direkt am Camino. Es ist schade, El Chorro werde immer unbedeutender als Klettergebiet, obwohl es so schön und vielseitig sei. Nachdem er uns dann endlich den überteuerten Kletterführer aushändigte, konnten wir uns endlich dem zuwenden, wofür wir hier waren: dem Klettern.

Trotz der vielen geschlossenen Sektoren gibt es eine Unmenge an Klettermöglichkeiten. Der Anblick des Gebietes ist grandios. Zwischen den Hügeln aus bröckeligem Konglomerat erheben sich zwei gewaltige Kalk Riegel, welche in der Mitte einen schmalen Spalt lassen. Das ganze wirkt wie eine Pforte in eine andere Welt. Vor diesem Spalt erstreckt sich ein smaragdgrüner Stausee, welcher sich in der schmalen Kluft verliert. An diesen zwei Kalk Wänden sowie an einigen vorgelagerten Wänden kann geklettert werden. Je nach Beliebtheit des Sektors gibt es  leider einige stark abgekletterte Routen. Aber das ist wohl in allen großen Gebieten das Gleiche. Die Kletterei ist sehr abwechslungsreich. Einseillängen sowie Mehrseillängen an in allen Farben leuchtendem Fels sind möglich. Wenn man Glück hat wird man auch von der ansässigen Schafsherde besucht, welche scheinbar überhaupt keine Scheu vor Kletterern hat.

Das allerwichtigste an El Chorro ist jedoch der weltberühmte Camino del Rey. Er zählt zu den 10 gefährlichsten Wanderwegen der Welt. Das können  wir uns nicht entgehen lassen – so zumindest der Plan. Doch als wir beim Campingplatz Besitzer nachfragen sagt dieser, dass man die begrenzten Karten lange im voraus reservieren muss. Die großen Reiseunternehmen aus Málaga reservieren den  Großteil der Karten lange im Vorfeld um dann mit Bussen voller Touristen aus dem Süden anzureisen. Wir können aber versuchen morgens einige der wenigen Restkarten zu ergattern. Gesagt getan. Tatsächlich haben wir Glück und können, entgegen unserer Erwartungen die berühmte Wanderung mitmachen. Leider ist das ganze aber etwas ernüchternd: von der damals so berühmt, berüchtigten Strecke ist nicht mehr viel übrig geblieben. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: der ursprüngliche Weg ist größtenteils vor Altersschwäche eingestürzt. Von dem teilweise in hundert Meter Höhe verlaufenden Betonpfad sind nur noch Überbleibsel zu erkennen. Als man vor ca. 10 Jahren dort noch lang lief/kletterte war das sicher ein atemberaubendes Abenteuer. Sicher auch einer der gefährlichsten „Wanderrouten“ die es so gibt. Ich hätte mir auch reichlich überlegt dort lang zu spazieren.

Nun aber ist der Weg gezähmt und hübsch für Touristen aufbereitet. Ungefähr ein Meter über dem alten schmalen, geländerlosen Überresten des ursprünglichen Camino gibt es nun den neuen sicheren Weg. Dieser hat ein hohes Geländer und ist super ausgebaut. Das aufregendste was man jetzt noch erleben kann, ist der Blick durch den Glasboden auf einer extra Plattform für mutige. Die Wanderung an sich ist natürlich immer noch spektakulär und die Aussicht in die wilde Schlucht ist unvergleichlich. Es lohnt sich auf alle Fälle diesen Pfad zu wandern wenn man El Chorro besucht. Er ist immer noch etwas besonderes, hat aber nicht mehr den Nervenkitzel zu bieten, wie es früher mal war. Vielleicht ist es aber auch besser so. Nun gibt’s noch Bilder dazu.

Bis bald Christoph

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