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Nerja und Granada

Nach der schönen Zeit in Chulilla und bei Marcel hieß unser nächstes Ziel Nerja. Wahrscheinlich habt ihr von diesem Ort genau so viel gehört wie wir… also nichts. Doch hier wohnt seit einiger Zeit meine Freundin Nada. Sie hat hier mit ihrem Freund Raoul ein Grundstück in einem Baranco. Auf diesem Grundstück steht ein kleines Haus in dem die Zwei leben. In einem Raum befindet sich Schlafzimmer, Wohnzimmer und Küche gleichzeitig und das ist auch schon alles von dem Haus. Doch es ist genügend Platz für Zwei und gemütlich noch dazu. Auf dem Grundstück der beiden wachsen jede Menge Avocadobäume, Granatapfelbäume, Maracujas, Bananen und sonst jegliche exotischen Früchte, die man bei uns in Deutschland nur teuer und unreif kaufen kann. Hier fühlt man sich also wie im Schlaraffenland, wenn man einmal die Orangen frisch vom Baum essen konnte. Da schmeckt man, dass jede Frucht einzeln von der Sonne geküsst wurde. Fast eine Woche konnten wir erleben wie die Zwei mit ihren Bäumen Geld verdienen, versuchen ihre Träume von Flamenco – Tanz und Gitarre zu erfüllen und ständig mit der spanischen Bürokratie zu kämpfen hatten. So haben die zwei beispielsweise keine typische Wasserleitung, wie wir es aus Deutschland kennen. Hier wird das Wasser in einem offenen Speicherbecken gelagert und durch Schläuche zum Wasserhahn geleitet. Mit diesem nun wahrlich nicht großen Speicherbecken werden Toilette, Küche, Dusche und die Bewässerung aller Pflanzen betrieben. Somit wird schnell klar, dass hier eine Wasserknappheit herrscht. Das Wasser wird durch eine Person zugeteilt, die dies nicht nach Gerechtigkeit und Verbrauch entscheidet, sondern durch das Aussehen der Nase. Wenn ihr versteht was ich meine. Somit haben alle Barancobewohner nur einen sehr schmalen Wasseranteil den sie nutzen dürfen. Wenn man aber nur vom Tal hinauf zum Hügel läuft, durch das Aquadukt hindurch, wird einem die Kluft zwischen Arm und Reich, die in der Stadt herrscht, sofort sichtbar. Denn hier stehen Hotels, Ferienhäuser und sonstige Gebäude zur Bespaßung der Touristen. Und diese werden rund um die Uhr bewässert. Also nichts mit Zuteilung des Wassers. Und so finde ich es unglaublich wie die Menschen im Baranco schon fast am Existenzminimum leben und an jeder Ressource sparen müssen, während nur einige Meter weiter alle Ressourcen fast ohne Bedacht heraus geschleudert werden. Einfach nur weil es geht. Jedoch das aller Beste kommt noch. Der schöne Baranco, in dem die Menschen gern leben und glücklich sind, soll wahrscheinlich zu einem Golfplatz umgebaut werden. Das bedeutet mehrere Jahrzehnte alte Bäume, die beste Früchte tragen, sollen sterben. Ein Lebensraum für Chamäleons, Schildkröten und anderen sensiblen Tieren soll entfernt werden. Und noch viel wichtiger: Das Zuhause von den letzten nicht vom Tourismus lebenden Bewohner, soll einfach zerstört werden. Für einen weiteren, meiner Meinung nach, nicht notwendigen Golfplatz.
Nach diesen für uns unfassbaren Eindrücken, ging es mit Nada nach Granada. Hier hat sie ein Zimmer in einer WG gemietet. Natürlich in bester Lage. Mitten in der sehenswerten Altstadt. Aber zuerst hieß es für uns einen sicheren Stellplatz für Nyls finden, ehe wir wie die tausenden Touristen durch die Stadt stapfen konnten. Natürlich war nur noch der Parkplatz am Jugendknast frei und zusätzlich trifft sich hier auch die Jugend jeden Tag aufs Neue um die schöne Aussicht über Granada bei Nacht mit Wein und McDonalds Essen ausklingen zu lassen. Aus diesem Grund haben wir eine anstrengende Wanderung durch die Stadt auf uns genommen, um den einzigen Laden mit Lenkradschlössern anzusteuern. Zum Glück konnten wir eines dieser Dinger hier kaufen. Mit unserer neuen Errungenschaft ging es also wieder Bergauf, in einer Hitze die nicht zu ertragen war. Eine Stunde später waren wir schweißnass wieder am Nyls und haben uns danach tatsächlich etwas sicherer gefühlt. Nun konnte das Wochenende in Granada kommen. Ich möchte euch natürlich nicht jeden einzelnen Stopp berichten, denn auch wir haben uns die klassischen Sehenswürdigkeiten angeschaut. Aber ich habe natürlich ein paar Tipps für euch, die mir sehr am Herzen liegen.
Unsere Feststellung zu Spanien ist, dass es kein Land der Frühstücker ist. Somit ist es uns in Granada sehr schwer gefallen ein Café zu finden, welches nicht nur Tostadas anbietet. Aber wir fanden es und es hat uns verzaubert. Das kleine Café ist an einem unscheinbaren Platz abseits des Touristentrubels und bietet wirklich gute belegte Brote wie auch Müsli, Kaffee und frisch gepresste Säfte an. Die zwei Jungs die hier arbeiten, haben immer ein Lachen auf den Lippen. Die Platzanzahl ist hier jedoch sehr klein. Es gibt eine kleine Auswahl zum draußen sitzen, sowie wenige Plätze um die Bar herum. Das macht es wohl auch so sympathisch.
Meine nächste Empfehlung an euch ist die Pizza Höhle. Ja richtig gehört-eine Höhle. Etwas außerhalb der Stadt, aber immer noch gut zu Fuß zu erreichen, leben die spanischen Hippies. Diese wohnen in Höhlen, die im Fels zu finden sind. Es ist unglaublich, wie gut diese teilweise ausgebaut sind. Von Chill-Areas bis Solaranlagen für den Strom ist hier alles dabei. Und eine dieser Höhlen bietet Abends tatsächlich Pizza an. Du hast die Wahl zwischen vegetarisch oder nicht vegetarisch und zahlst sieben Euro. Nach einer Weile wird dein Name aufgerufen und auf einer großen schwarzen Fliese liegt sie dann: Deine Pizza. Auf der Höhle kannst du dich dann gemütlich mit deiner Pizza hinsetzen und Granada bei Nacht sehen. Ein Erlebnis, welches man unbedingt mitmachen sollte. Ach und das wichtigste: die Pizza ist richtig lecker.
Meinen letzten Rat an euch werdet ihr wahrscheinlich auch in jedem Reiseführer finden. Setzt euch Abends in eine Bar und bestellt euch ein Bier oder Wein. Denn wenn ihr das getan habt, bekommt ihr zu diesem Getränk kostenlos ein Tapas dazu. Egal wo ihr in Granada seid, es funktioniert wahrscheinlich in jeder Bar. Wir haben es getestet und es funktioniert richtig gut.
Nach all den Tipps zum Essen kann ich nur noch eins sagen. Granada ist wirklich eine schöne Stadt und einen Besuch wert. Die Altstadt ist so schön verwinkelten, dass es eine Menge zu entdecken gibt.
Wir hören uns bald wieder wenn ich euch über Portugal berichten werde.
Bis dahin
Eure Sarah