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Estland

Christoph und ich sind nun schon fast einen Monat wieder in der Heimat und wir sind schon im Alltag angekommen. Nun ist es jedoch Zeit euch auch noch von unserer letzten Station der Europareise mit Nyls zu berichten: Estland.

In der Slowakei hatten wir zwei Kölner Reisende getroffen, die zuvor in Estland, Lettland und Polen  unterwegs waren. Diese hatten uns einige Tipps für diese Länder gegeben. Die haben wir uns zu Herzen genommen und haben uns gleichzeitig etwas Sorgen gemacht. Denn die Beiden meinten Estland und Lettland wären nicht all zu spannend, da es hier außer Wälder nichts weiter gäbe. Alles soll wohl sehr flach sein. Wir wollten uns jedoch selbst ein Bild davon machen und fuhren über Polen, Litauen, Lettland nach Estland. Hier haben wir uns zuerst den nördlichste Punkt des Festlandes ausgesucht, um dann kontinuierlich nach Süden fahren zu können. Schon auf der Fahrt konnten wir uns ein Bild vom Land machen und können mit gutem Gewissen sagen, dass dieses Land definitiv nicht langweilig ist!

Also waren wir zuerst im Lahema Nationalpark. Hier hatten wir uns über 27Crags  einige Boulder ausgesucht, die wir unbedingt ausprobieren wollten. In Estland liegen nämlich einzeln und sehr verstreut schöne Boulder, die auch einige Routen zum Klettern haben. Diese sind jedoch auch ziemlich hoch, weshalb man hier keine Höhenangst haben sollte. Durch diese Boulder haben wir uns den Nationalpark von Lahema ausgesucht. Da wir einen der Boulder in Loksa uns ausgesucht hatten, haben wir beschlossen weiter Richtung Norden und Meer zu fahren. Ohne Plan und Spontan fanden wir so die wunderschönen Stellplätze die von RMK zurecht gemacht werden. Diese werden in ganz Estland in den Wäldern von dieser Firma gepflegt und sind wirklich super. Auf jeden der Plätze, egal wo in Estland, findet man Feuerholz, Trockentoiletten, Feuerstellen mit Grill und optional noch Bänke mit Dach oder ohne. Dazu findet man auch immer super Stellen, auf denen man sein Zelt aufschlagen kann. Diese Plätze sind kostenlos und dürfen von jedermann genutzt werden. Einzige Regel ist, den Platz so zu verlassen wie man ihn vorgefunden hat. Das finde ich auch fair. Und man muss auch sagen, dass diese Plätze wirklich gut in Schuss sind. Keine Schmierereien oder Müll erinnern daran, dass vor dir jemand hier war. Aber nicht nur das ist so schön an den Plätzen: auch die Wälder, in denen sich die Plätze befinden, sind wunderschön. Hier findest du neben Preiselbeeren und Heidelbeeren auch jede menge Pilze. Klar solltet ihr euch mit Pilzen gut auskennen. Wir hatten hauptsächlich leckere Pfifferlinge, Birkenpilze uns Butterpilze gefunden. Ab und zu hat sich auch einmal ein Steinpilz dazwischen gemogelt.  Und das ist es auch, was wir am Ende die ganze Zeit in Estland gemacht haben. Wir haben quasi im Wald, davon und mit dem Wald gelebt. Wir sammelten, kochten ein, angelten, genossen, waren am Strand, lasen und schnitzen. In dieser Zeit habe ich auch eine richtig leckere Marmelade gekocht.

Dazu habe ich Blaubeeren, Äpfel, Zimt und etwas Ingwer genommen und dies mit Gelierzucker zu einer wirklich leckeren Marmelade gekocht. Davon haben wir nun noch zwei Gläser in unserer Küche stehen. Ich habe schon Angst, wenn diese Gläser alle sind, dann ist die letzte greifbare und wirklich schmackhafte Erinnerung an Estland dann auch am Verblassen. Ein genaues Rezept kann ich euch gar nicht nennen, da ich im Bus keine Waage hatte und somit alles aus dem Handgelenk geschüttelt war. Aber das ging ziemlich gut, probiert es auch mal aus.

Also für alle, die wirklich überlegen Estland, Lettland oder Litauen zu besuchen, die sind hier genau richtig. Ich würde euch Estland wirklich ans Herz legen. Hier habt ihr außer der schönen Nationalparks und Wälder übrigens auch die Chance Bären zu sehen. Es werden wohl sogar Touren angeboten, bei denen man auf einer Hütte mitten im gebiet der Bären übernachtet. Natürlich geführt und total ungefährlich. Bären mögen ja Menschen sowieso nicht. 😉

Ich könnte euch noch viel mehr vorschwärmen, aber das wäre gemein. Schaut es euch einfach selbst an und lasst euch von der Natur dieses Landes verzaubern.

Die Estländer sind übrigens auch ein sehr nettes und eigenes Völkchen. Ich würde sie schon fast als introvertiert bezeichnen, zudem sind sie sehr hilfsbereit und liebenswert.

Eine kleine Anekdote dazu: Wir standen mit Nyls vor einer der Bänke, aßen daran jedoch nicht und eigentlich standen wir auch nicht direkt dran. Also haben wir den Platz nun wirklich nicht besetzt. Aber die Estländer haben sich einfach nicht an den Tisch getraut und aßen lieber auf der Motorhaube ihres Autos. Erst nach Aufforderung von uns haben sie sich an den Tisch gesetzt und mehrmals bedankt.

So jetzt werde ich wohl zum Punkt kommen müssen, sonst bekomme ich noch mehr Fernweh. Unglaublich, jetzt ist das halbe Jahr einfach um. Einfach so sind 5 Monate der Reise vergangen. Zu Beginn denkt man ja immer, das es eine Ewigkeit ist. Aber nein, es ist einfach viel zu kurz gewesen. Aber das Gefühl kennt wahrscheinlich jeder, der schon einmal länger auf Reisen war.

Bis dahin sende ich euch eine fernwehumsäumte Umarmung

Eure Sarah

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